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  Stellungnahme des DPMV zur Kritik am Bausatz "Flying Saucer Haunebu II" von Revell
  12.11.2018 von Thomas Dillenburg

 

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, wann auch der Modellbau ins Visier genommen wird. Nachdem schon andere Freizeitbereiche wie Computerspiele, Schießsportarten, bestimmte Tierhaltungen, Paintballer, Militaria-Sammler, Reenactor und viele andere Hobbies nicht nur mit Reglements, sondern auch mit Ressentiments überhäuft werden, wurde vor einiger Zeit durch Historiker und den Kinderschutzbund die Revell wegen ihrem Bausatz „Flying Saucer Haunebu II“ (03903) in ein Licht gerückt, die der jahrelangen Erfahrung, die wir als DPMV mit Revell gemacht haben, völlig widerspricht. Gerade im Hinblick auf die Unterstützung bei der Nachwuchsförderung im Kinderbasteln wird seitens des Herstellers Revell seit vielen Jahren darauf geachtet, dass nur zivile Bausätze zur Verfügung stehen, wie z.B. Kreuzfahrtschiffe, Segelflugzeuge oder Ralleyfahrzeuge. Eine kindgerechte Annäherung an das Hobby wird konsequent umgesetzt, siehe vor allem die Entwicklung von Bausätzen mit Schwierigkeitsgraden bzw. für unterschiedliche Altersstufen, wie beispielsweise die Junior-Kit Reihe. Revell ist viel mehr Vorreiter und Vorbild für viele andere Hersteller.

 

UFO Box Art 


Betrachtet man nun das eigentliche Modell, die Haunebu II, so ist deutlich ein UFO zu erkennen, nicht zuletzt auch dank der Beschreibung „Flying Saucer“. Inwieweit das nicht schon als Fantasy-Bausatz selbsterklärend ist, liegt weniger am Bausatz als am Betrachter. Darüber hinaus stellt man an der übergroßen "4" schnell fest, dass dieser Skilllevel nichts für Anfänger ist und auch von der Preisgestaltung um die 45,- € sowie der relativ großen Verpackung wird nicht der Modellbauanfänger geschweige denn Kinder anvisiert. Es ist eher ein Bausatz für den Prototypen-Modellbauer, der sein Repertoire um sogenannte „What if“, also „Was wäre wenn“- Modelle ergänzen und den Überschlag zur Science-Fiction wählen möchte. Daher ist auch die Verpackungsbeschreibung in dieser Richtung nicht als Tatsachenbericht anzusetzen, sondern der Zielgruppe solcher Modelle geschuldet. Genau hier wird die eigentliche Kritik auch festgemacht, dass nämlich nicht deutlich genug auf der Verpackung zu erkennen sei, dass die Beschreibung nicht ein tatsächliches echtes UFO beschreibe und folglich die NS-Esoterik ins Kinderzimmer brächte. Durch die Anlehnung an diese legendenumwobenen Reichsflugscheibe würde dem NS-Regime Fähigkeiten zugeschrieben, die es aus wissenschaftlicher Sicht nie gab. Angenommen, obiges träfe zu, wäre die Frage zu stellen, ob nun diese Assoziation bei Kindern und Jugendlichen wirklich stattfände oder eher gegenteiliges in Form von Aufklärung beim wahrscheinlichen Hinterfragen des Modells „Mama, Papa! Gibt es Ufos wirklich?“, oder ob es lediglich bei der Begeisterung am Bau einer Untertasse bliebe.


Auch wenn nun bei wenigen Modellbauer durchaus die Faszination an Militärgeräten explizit im Modellbau ihren Ausdruck findet, wird gerade hier diese Art der Begeisterung wiederum auf die harmloseste Art und Weise kanalisiert, da der Modellbau an sich ein kreativer Prozeß ist, in dem das eigentliche Basteln bzw. Erschaffen im Vordergrund steht. Der fortgeschrittene Modellbauer wird meistens sein Modell in ein Szenario betten. Hierzu erfolgt in der Regel ein vorbereitendes Studium nicht nur des zu bauenden Modells, sondern auch des dazu gehörenden Dioramas. Der gedankliche Gestaltungsablauf ist vergleichbar mit der eines Regisseurs für einen Kinofilm oder eines Autors für ein Buch. Das Ergebnis weist in einigen Fällen sogar museale Qualität auf, je nachdem wie umfangreich die Vorbereitung war. Nach Fertigstellung wird ein Modell auf Ausstellungen gezeigt, um sich mit anderen Modellbauern zu messen oder die eigene Fingerfertigkeit und die Ideenvielfalt zu präsentieren. Seltener landet ein Modell in der heimischen Vitrine, viel mehr wird es Transport gesichert in einem Karton zu Hause eingelagert, wo dann von Verherrlichung oder Militarismus nicht mehr gesprochen werden kann.

 

Mich persönlich stört es sehr, auch als Vater von 5 Kindern, dass unserem Nachwuchs eine natürliche Skepsis abgesprochen wird und sie generell nicht zum Einschätzen solcher Sachen in der Lage wären. Darüber hinaus fällt mir negativ auf, wie in der medialen Berichterstattung unterschwellig versucht wurde, durch die Betonung, das UFO hätte sogar Balkenkreuze, den Eindruck verbotener Abzeichen zu erwecken. Viel mehr wird meines Erachtens eher durch das tägliche Auf- und Abspielen von 3. Reich-Dokumentationen in den TV-Nachrichten-Sender unter dem Deckmantel der Aufklärung ein Millionenpublikum „begeistert“, in denen u.a. auch genau dieses Thema der Reichsflugscheiben aufgegriffen und keineswegs als reine Fantasie abgetan wird. Ich weise nur auf den kommerziellen Hintergrund, wie sehr der Absatzmarkt „3. Reich“ von den Medien selbst bedient wird und mit dem ständigen Verweisen auf andere von sich ablenkt. Hier gegen sprechen Historiker und der Kinderschutzbund nicht an, als ob unsere Kinder sich solches nicht anschauen würden. Tritt hier ein gesellschaftliches Phänomen zu Tage, wo eine aktuelle Denkweise missioniert wird, in dem hinter jedem und allem Extremismus vermutet wird, und das dieses mal auf dem Rücken der Randgruppe der Modellbauer, weil hier nur geringer Widerspruch zu erwarten wäre? Dem stellt sich der DPMV entgegen, denn Modellbau findet sich in allen Schichten wieder, egal ob männlich oder weiblich, und er hat eine immer größer werdende Gesellschaftsfähigkeit erlangt. Die Modellbauer, die ich kennen lernen durfte, sind vielseitig in unserer Gesellschaft engagiert, ob als Sanitäter, Feuerwehrmann, Polizist, Lehrer oder Historiker u.v.a., sie haben alle die Faszination an technischem Gerät inne, welches sich nun mal nicht so ohne weiteres im Original in die heimische Garage stellen lässt, deswegen kaufen diese Personen nicht gleich ein Fertigmodell, sondern bauen ihr eigenes individualisiertes Modell. In diesem Sinne wünscht der DPMV allen Modellbauern sich den Spaß an diesem Hobby nicht verderben zu lassen!

 

Thomas Dillenburg (1. Vorsitzender DPMV e.V.)