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  Bausatzvorstellung: HMS Campbeltown 1942
  (FlyHawk, Art.Nr. FH1105 / FH1105S, Maßstab 1:700)
  von Bernd Heller

 

  

Die HMS Campbeltown als Modell:

Von diesem Schiff gibt es mehrere Bausätze in verschiedenen Maßstäben (z.B. Revell in 1:240 und Aifix in 1:600 und 1:400. Jedoch können diese nicht so ohne weiteres für der „Operation Chariot“-Version verwendet werden, da zahlreiche Umbauarbeiten nötigt sind. Dann gibt es noch das Modell noch Mirage Hobby in 1:400, mit zusätzlichen Teilen. Jedoch soll der Bausatz alles andere als gut sein.

  

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Das Original:

Die HMS Campbeltown wurde 1919 als USS Buchanan, einem Zerstörer der Wickers-Klasse, bei der US Navy in Dienst gestellt. Nach einer unspektakulären Dienstzeit wurde das Schiff Anfang September 1940 an die englische Royal Navy abgegeben. Mit dem neuen Namen Campbeltown wurde es der Town-Klasse zugeordnet. Für mehrere Monate wurde das Schiff der niederländische Marine überlassen, jedoch ab September 1941 wieder bei der Royal Navy eingesetzt.

Als 1942 das deutsche Schlachtschiff Tirpitz in Norwegen vor Anker lag, befürchteten die Alliierten, dass das Schiff in den Atlantik verlegen könnte und dort die für England überlebenswichtigen Gleitzüge angreifen könnte. Nur das Trockendock im französischen St. Nazair war für ein Schiff von den Dimensionen der Tirpitz groß genug, um eventuelle, größere Reparaturen durchführen zu können.

Um der deutschen Marine diese Möglichkeit nicht zu geben, wurde die „Operation Chariot“ vorbereite, die das Ziel hatte, das Trockendock unbrauchbar zu machen. Dazu wurde die veraltete HMS Campeltown umgebaut, um das Aussehen eines deutschen Torpedobootes zu erhalten. Etliches an Einrichtung auf dem Schiff wurde entfernt bzw. hinzugefügt und im Bug etwa 4,1 Tonnen Sprengstoff platziert.

Zusammen mit einer Flotte von 20 kleineren Schiffen näherte sich der Verband am 28.03.1942 in der Dunkelheit der Dockanlage an der Mündung des Flusses Loire. Ein vorangegangener Luftangriff durch die Royal Air Force war wenig effektiv und alarmierte die deutschen Truppen. Die englischen Schiffe hatten deutsche Flaggen gesetzt, die erst kurz vor dem Ziel eingeholt und gegen englische Fahnen getauscht wurden. Das einsetzende deutsche Abwehrfeuer konzentrierte sich auf das größte Schiff des Verbandes, die Campbeltown. Um 01.34 Uhr rammte die Campeltown die Docktore der Anlage und kam auf den Toren zum Stillstand. Angelandete englische Soldaten begannen damit, die weiteren Einrichtungen zu zerstören und die 75 Mann der Besatzung der Campbeltown zu evakuieren. Von den insgesamt 611 beteiligten englischen Soldaten wurden 169 getötet, 215 wurden gefangen genommen und 222 Personen wurden durch die Flotte der kleineren Schiffe evakuiert. 5 Soldaten konnten sich der Gefangennahme entziehen und sich über Frankreich und Spanien nach Gibraltar absetzen.

Gegen Mittag explodierte die mit Zeitzündern versehene Sprengladung, die trotz Durchsuchung des Schiffes durch deutsche Truppen nicht entdeckt wurde. Dabei wurden die Docktore weggerissen und die Einrichtung schwer beschädigt. Das plötzlich einströmende Wasser zog die Reste der Campbeltown in das Dock. Bei der Explosion wurden 250 deutsche Soldaten und französische Werftarbeiter getötet. Das Dock war unbenutzbar geworden und erst 1947 wieder einsatzfähig. Die Tirpitz verblieb im Nordmeer und wurde nicht im Atlantik eingesetzt, bis sie Mitte November 1944 nach einem englischen Luftangriff mit Spezialbomben kenterte. So hat die „Operation Chariot“ - trotz vieler Toter – entscheidend dazu beitragen, das noch wesentlich mehr Opfer auf See vermieden werden konnten.

 

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Die Bausätze:

Einmal mehr erfreut uns FlyHawk mit einer Neuheit in 1:700. Und hier ist die HMS Campbeltown gleich in der gewünschten, geschichtsträchtigen, Version darstellbar. Der Bausatz wird zum einen in der Standardversion (FH1105) und zum anderen in der limitierten Version (FH1105S) mit mehr Zubehör angeboten. Wir stellen hier beide Versionen vor.

 

Die Details zu Bausatz FH1105:

Der flache Karton ist mit sieben Spritzlingen, sieben losen Teilen, einer Ätzteilplatine, einem Markierungsbogen und einer Bauanleitung gut gefüllt. Alle Teile sind separat verpackt und somit gut geschützt. Total ergibt das 88 Kunststoffteile. Die Detaillierung am Rumpf (Wasserlinie und Vollrumpf-Option) und auf dem Oberdeck ist, gemessen am Maßstab, sehr gut. Da kann sich die Konkurrenz mit den deutlich größeren Maßstäben eine dicke Scheibe abschneiden. Auch die Kleinteile, wie z.B. die Rettungsflöße und die Abwehrbewaffnung, sind eine Klasse für sich. Die beiden Schornsteine sind in slide-mold-Technik hohl dargestellt. Die Ätzteilplatine enthält sinnvolle Teile für die Reeling oder Leitern. Auch der Displayständer ist dort zu finden. Jedoch wäre hier eine Version aus Kunststoffbauteilen zu bevorzugen gewesen.

Die Bauanleitung ist in der gewohnten Art von FlyHawk hergestellt. Da es sich hier um ein etwas kleineres Modell handelt, sind die Zeichnungen ein Stück größer ausgefallen. Die Farbgebung ist nach Mr. Hobby, Tamiya und WEM angegeben. Der Markierungsbogen enthält englische und deutsche Fahnen.

 

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Die Details zu Bausatz FH1105S:

Die „Deluxe Edition“ enthält eine zusätzliche Ätzteilplatine, wobei die Platine aus der Standardversion ebenfalls geändert wurde. Die zusätzliche Platine enthält unter anderem 50 Figuren. Eine sinnvolles Zugabe für den, der die Campbeltown kämpfend darstellen möchte. Des weiteren ist noch das Rohr des Hauptgeschützes, sowie Austauschpoller aus Metall enthalten. Und von Uschi van der Rosten liegt noch Kunststoffgarn für die Antennenverdrahtung bei.

 

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Fazit:

FlyHawk schliesst mit der HMS Campbeltown in der „Operation Chariot“-Version eine echte Lücke auf dem Modellbausektor. Die Figuren in der „Deluxe Edition“ sind ein weiteres Highlight. Ob jedoch die Metall-Austauschteile sinnvoll sind, muß jeder Modellbauer für sich selbst entscheiden. Außerdem würde ich persönlich einen stabileren Displayständer aus Kunststoff bevorzugen.

Informationen zum weiteren Programm von FlyHawk gibt es hier.

 

Bernd Heller / Modellbauclub Koblenz